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Wie Sie ohne Geldsorgen in Rente gehen

Christof Quiring

Christof Quiring - Head of Workplace Investing Germany

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Über die Altersvorsorge muss man sich Gedanken machen, lange bevor man sie braucht, bevor man weiß, wie gesund man noch im Alter ist, welchen Lebensstandard man erreichen wird oder was das Leben dann kostet. Es wird dadurch unheimlich schwer, sich auszurechnen, was man im Ruhestand zum Leben braucht. Doch wer das Alter ohne Geldsorgen verbringen will, muss es dennoch versuchen.

Drei große Unsicherheitsfaktoren versperren die Sicht nach vorne:

  • Wie hoch wird Ihre gesetzliche Rente wirklich ausfallen?
  • Wie viel Geld brauchen Sie im Ruhestand, um Ihre monatlichen Ausgaben zu decken, und welche Rentenlücke ergibt sich daraus?
  • Wie wirkt sich die Inflation auf die Kaufkraft Ihrer Rente und auf Ihre privaten Vorsorgeziele aus?

Die gesetzliche Rente
Die erste Frage ist am einfachsten zu beantworten, wenn auch mit Vorbehalt. Einzahler in der Deutschen Rentenversicherung erhalten jährlich eine Renteninformation, die beschreibt, mit welchen monatlichen Zahlungen sie rechnen können, wenn sie bis zum Rentenbeginn weiterhin wie in den vergangenen fünf Jahren Beiträge leisten.

Doch nun zum Vorbehalt: Gehen Sie ab 2040 in Rente geht, müssen Sie diesen Betrag voll versteuern. Bei einem früheren Renteneintritt wird nur ein Teil der Rente versteuert, da der Gesetzgeber schrittweise zur vollen Besteuerung übergeht.

Außerdem wird die Höhe der gesetzlichen Rente in der Regel jährlich angepasst, um der Veränderung der Einkommen und Verbraucherpreise Rechnung zu tragen. Seit 2014 sind die Renten jährlich um 1,67 bis 5,95 Prozent gestiegen.¹ Garantiert sind solche Erhöhungen jedoch nicht. Gerade mit der zunehmenden Alterung der deutschen Gesellschaft könnte es in Zukunft immer schwieriger werden, das Rentenniveau stabil zu halten.

Die Rentenlücke
Das gesetzliche Rentenniveau liegt in Deutschland bei 41 Prozent. Unsere Analyse der Einkommens- und Ausgabendaten aus Deutschland deutet darauf hin, dass Bezieher von Jahreseinkommen zwischen 25.000 und 75.000 Euro 80 bis 90 Prozent ihres Bruttoeinkommens vor Rentenbeginn einplanen sollten, um ihren Lebensstandard im Ruhestand aufrechtzuerhalten.

Daraus ergibt sich eine Rentenlücke von rund 40 bis 50 Prozent. Doch auch hier gibt es Unterschiede: Wer im Ruhestand endlich ausgiebig die Welt bereisen oder ein teures Hobby ergreifen will, braucht womöglich sogar mehr Geld als vorher. Wer hingegen die teure Stadtwohnung nahe der Arbeitsstelle aufgibt und im Alter günstiger wohnt, im Haushalt ein Auto weniger braucht oder sonst seine Kosten reduziert, kommt mit weniger aus.

Ob die Lücke nun 20 oder 50 Prozent des Einkommens beträgt – die Dauer, über die man sie schließen muss, wird von Jahrgang zu Jahrgang durch die steigende Lebenserwartung größer. Wer heute 30 ist, wird als Mann im Durchschnitt 85 Jahre alt, als Frau 90.² Geht eine Frau mit 67 in Rente, muss sie also 23 Jahre oder 276 Monate ihre Rentenlücke schließen, für Männer sind es 216 Monate.

Die Entwicklung der Kaufkraft
In der Renteninformation versteckt sich eine kleine, aber wichtige Passage: Der Kaufkraftverlust wird bei den Prognosen der monatlichen Zahlungen nicht berücksichtigt. Die Rentenanpassung könnte das teilweise, aber nicht vollständig ausgleichen. Immerhin rechnet die Deutsche Rentenversicherung vor, wie groß der Kaufkraftverlust bis zur Rente sein könnte. Derzeit geht sie von einer jährlichen Inflationsrate von 1,5 Prozent aus. Wer heute 30 Jahre alt ist, muss demnach damit rechnen, dass 100 Euro zum Renteneintritt nur noch eine Kaufkraft von heute 57 Euro haben. Dieser gleiche Kaufkraftverlust beeinflusst auch, wie viel Geld man privat für den Ruhestand zur Seite legen muss.

Der Plan
Also um wie viel muss man die gesetzliche Rente ergänzen, um im Alter frei von Geldsorgen zu sein? Angesichts der vielen Stellschrauben – Rentenniveau, Inflation, Lebenshaltungskosten, Lebensstandard – ist es praktisch unmöglich, eine klare Zahl zu errechnen, die genau zur eigenen Situation passt.

Ein guter Weg zum sorgenfreien Ruhestand ist eine Faustregel – und die Bereitschaft, in regelmäßigen Abständen zu überprüfen, ob man mit seiner Vorsorgestrategie noch auf dem richtigen Weg ist.

Auf Basis des deutschen Rentensystems, der Lebenserwartung, der Inflation und der erwarteten Einkommens- und Marktentwicklungen haben wir errechnet, dass Sparer bei Renteneintritt das Zehnfache ihres Einkommens zurückgelegt haben sollten. Dadurch könnten sie – zusammen mit der gesetzlichen Rente – 80 bis 90 Prozent ihres Einkommens im Alter ersetzen.

Je näher der Ruhestand rückt, desto mehr wird sich der Nebel um ein konkreteres Sparziel lichten. Sparer sollten deshalb mindestens alle fünf Jahre ihre Ruhestandspläne und ihr Vorsorgestrategie überprüfen.

Mehr Informationen zu Sparmeilensteinen, Rechner und anderen Vorsorgethemen finden Sie unter https://vorsorge.fidelity.de/.

¹ https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/Downloads/DE/Statistiken-und-Berichte/Rentenatlas/2019/rentenatlas_2019_download.html

² https://www.7jahrelaenger.de/lebenserwartungsrechner/