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So wächst die Rentenlücke für Frauen von Jahr zu Jahr

Fidelity

Fidelity - Research team

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Bis 35 Jahre herrscht Gleichheit in der deutschen Gesellschaft. Dann tut sich zwischen Männern und Frauen eine Schere auf, die immer weiter wird – bis sie im Rentenalter mit ganzen 26 Prozent zu Buche schlägt. Im Klartext: Frauen erhalten vom Staat im Schnitt rund ein Viertel weniger Rente als Männer.

Der „Gender Pay Gap“ – also der gravierende Unterschied zwischen den Löhnen von Frauen und Männern – wird seit Jahren diskutiert. Eine spürbare Rentenlücke ist die Folge: Wer im Berufsleben weniger verdient, steht auch im Ruhestand schlechter da.

Oft wird angeführt, dass vor allem Frauen die Kinder erziehen und typische „Frauenberufe“, wie der der Verkäuferin, schlechter bezahlt werden. Dadurch zahlen sie weniger Beiträge in die Rentenversicherung. Doch es steckt mehr hinter der Rentenlücke. Auch kinderlose Frauen und solche in gutbezahlten Berufen erhalten weniger Rente als ihre männlichen Kollegen. Zwei fiktive, beispielhafte Lebensläufe zeigen, wie es dazu kommt.

35 Jahre alt
Die ersten zehn Berufsjahre laufen gut für Johanna und Katharina. Johanna bekommt nach der Ausbildung eine Stelle als Erzieherin, Katharina steigt nach dem Studium schnell von der Junior- zur Senior-Projektmanagerin auf. Ihre Rentenansprüche entsprechen dem, was männliche Kollegen mit einer ähnlichen Lebenssituation erwarten können.

36 bis 45 Jahre alt
Johanna wird Mama und plant ein Jahr Elternzeit, um ihren Sohn zu betreuen. Sie findet jedoch keinen Betreuungsplatz und entschließt sich, vorerst nur in Teilzeit zu arbeiten. Während ihrer Arbeitszeit übernimmt ihre Mutter die Kinderbetreuung. Erst nach vier Jahren kehrt sie wieder voll in den Beruf zurück. Während dieser Zeit hatte sie keine Gelegenheit, mehr Verantwortung zu übernehmen oder sich beruflich weiterzuentwickeln.

Durch den geringeren Verdienst kann Johanna in dieser Zeit weniger Rentenpunkte sammeln - eine häufige Situation. Im Jahr 2017 war fast jede zweite erwerbstätige Frau in Teilzeit beschäftigt, aber nur knapp jeder zehnte Mann.

Katharina hat beruflich durchgepowert, viele Überstunden gemacht, viel dazugelernt und auch Erfolge verzeichnet. Eine Gehaltserhöhung einzufordern, ist ihr jedoch unangenehm. Verschiedenste Faktoren tragen dazu bei, dass der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern im Jahr 2018 laut Statistischem Bundesamt immer noch 21 Prozent betrug.

In diesem Alter beginnt sich die Schere zu öffnen: Die Rentenansprüche von Frauen hinken bereits 15 Prozent hinter denen männlicher Kollegen hinterher. 

46 bis 55 Jahre alt
Johanna denkt über mögliche Fortbildungen nach, etwa zur Betriebswirtin für Sozialwesen. Dazu müsste sie jedoch ihre Arbeitszeit reduzieren, was ihr gerade nicht möglich ist. Für Frauen ist der Hauptgrund für eine Teilzeitbeschäftigung die Kindererziehung, für Männer hingegen eine parallellaufende Aus- oder Fortbildung - die in der Regel später sogar zu einem höheren Verdienst führt.1 Das verstärkt die Lohndifferenz

Katharinas Mutter wird krank, und sie verbringt viel Zeit mit ihrer Pflege. Als man ihr eine Beförderung auf eine Stelle mit mehr Verantwortung anbietet, lehnt sie schweren Herzens ab. Von Kollegen weiß sie, dass man in dieser Position oft bis spät in den Abend arbeitet, zu Events und Kunden reisen muss. Mit ihrer familiären Situation lässt sich das gerade nicht vereinen.

Die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie sorgt auch bei kinderlosen Frauen dafür, dass sie weniger Rentenpunkte sammeln als Männer. In dieser Altersgruppe beträgt die dadurch entstandene Rentenlücke schon 27 Prozent. 

56 bis 67
In den letzten Jahren vor der Rente bleibt die Rentenlücke weitgehend unverändert bei rund 25 Prozent. So manchen Frauen wird erst kurz vor dem Ruhestand klar, wie groß ihre Lücke ist – im Vergleich zu Männern, aber auch im Vergleich zum eigenen früheren Verdienst. Je später man beginnt, dieser Situation mit einer privaten Vorsorge entgegenzuwirken, desto schwieriger wird es. Wer dahingegen früher anfängt zu sparen, kann mit kleineren regelmäßigen Beiträgen das gleiche Ziel erreichen und außerdem vom Zinseszinseffekt profitieren.

Katharina und Johanna haben hart gearbeitet - für ihren Beruf wie für ihre Familie. Am Ende bleibt ihnen im wohlverdienten Ruhestand aber deutlich weniger Geld als Männern in einer ähnlichen Lebenssituation. Der Weg zur Gleichstellung führt über die private Vorsorge - selbst ist eben die Frau.

Quelle:
1 https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/03/PD19_098_621.html

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