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Rentenlücke spät erkannt – und jetzt?

Christof Quiring

Christof Quiring - Head of Workplace Investing Germany

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Von allen Männern in Deutschland, die heute 50 Jahre alt sind, werden 50 Prozent mindestens 86 Jahre alt, zehn Prozent sogar 96. Frauen können aufgrund ihrer längeren Lebenserwartung jeweils noch vier Jahre hinzuaddieren.1

Wer die politische Debatte um den Generationenvertrag verfolgt, der weiß: Das lange Leben hat seinen Preis. Das gesetzliche Rentenniveau sinkt tendenziell, die Rentenlücke wird größer. Dass die Bedürfnisse im Alter abnehmen, ist zudem oft ein Trugschluss. Denn im Ruhestand haben wir nicht nur zwei, sondern plötzlich sieben Tage pro Woche Zeit, um Hobbys nachzugehen und zu reisen.

Die monatliche Rentenlücke gewinnt angesichts der hohen Lebenserwartungen eine ganz neue Dimension. Nur mit guter Vorbereitung lässt sie sich 20 oder gar 30 Jahre lang schließen. Wer die Lücke erst spät im Berufsleben erkannt hat, braucht eine umso bessere Strategie für die private Vorsorge.

Vor- und Nachteile für den Sparer 50+
Spät im Berufsleben eine Vorsorgestrategie zu entwickeln hat Vorteile. Wer über 50 ist, weiß besser als ein Berufsanfänger, wann die eigene Immobilie abbezahlt ist, wie er den Ruhestand gestalten und welche Träume er sich noch erfüllen will. Kurz: Mit über 50 ist es leichter, seine Bedürfnisse im Alter einzuschätzen und sich klare Ziele zu stecken.

Die Kehrseite der Medaille sind ein kürzerer Anlagehorizont und dadurch ein geringerer Zinseszinseffekt für alle, die mit Fonds privat vorsorgen wollen. Wer kurz vor der Rente steht, hat außerdem ein höheres Sicherheitsbedürfnis – niemand will mit 66 Jahren bei einem Börsencrash einen großen Teil seiner Ersparnisse verlieren. Um in relativ kurzer Zeit die Rentenlücke zu füllen, braucht es jedoch eine ordentliche Rendite. Und die bekommt man heute nicht ohne Risiko.

Das Depot geht nie in Rente
Das Gute ist: Während Sie sich zur Ruhe setzen, arbeitet Ihr Depot weiter, auch über den Renteneintritt hinaus. So mancher mag denken: Wer in zehn Jahren in Rente geht, hat einen Anlagehorizont von zehn Jahren. Das trifft jedoch nur auf den Teil des Portfolios zu, der die Ausgaben des ersten Rentenjahres decken soll. Geld, das man erst im zehnten Jahr nach dem Renteneintritt braucht, kann man mit einem Horizont von 20 Jahren anlegen.

Über einen derart langen Zeitraum haben Anleger mit einem gut gestreuten Portfolio beste Chancen auf eine positive Rendite. Ausgewogene Mischfonds zum Beispiel haben in den vergangenen 20 Jahren eine durchschnittliche jährliche Rendite von 3,4 Prozent erzielt. (Stand 31.7.2019)2  Die guten Jahre konnten die schlechten also mehr als ausgleichen.

Das heißt, dass das Risiko in einem Portfolio zu Rentenbeginn zwar geringer sein, aber noch nicht bei null liegen muss. Auch wenn Rentner nicht mehr in ihr Depot einzahlen, können so zumindest noch einige Jahre Kursgewinne, Zinsen und Dividenden fließen.

Doch wie viel kann man ganz konkret mit über 50 noch ausrichten, um die eigenen Finanzen im Ruhestand zu verbessern? Unser Rechner zeigt, wie sehr Ihre Rücklagen anwachsen können, selbst wenn Sie nur einen kleinen Teil Ihres Einkommens regelmäßig anlegen.

Tipp: Die wenigsten können im Alter allein von der Rendite ihrer Ersparnisse leben. Das Kapital im Vorsorgedepot wird also nach und nach aufgezehrt. Die Gefahr, dass die Ersparnisse im Laufe eines langen Ruhestandes ausgehen, nennt man Langlebigkeitsrisiko. Das sichern nur die gesetzliche Rente oder ein privates Rentenprodukt ab. Eine private Vorsorge mit Fonds sollte daher eine von mehreren Komponenten einer Altersvorsorge sein.

Ein Fondsdepot kann jedoch darüber entscheiden, ob man im Alter gerade genug Einkommen für die Lebenshaltung hat, oder das Budget auch noch für Reisen und Hobbys reicht. Auch mit über 50 ist es noch nicht zu spät, mit der privaten Vorsorge zu beginnen. Zwar gilt: Je früher man mit der privaten Altersvorsorge beginnt, desto geringer ist der monatliche Aufwand, um das gleiche Ergebnis zu erzielen. Doch auch mit über 50 lässt sich die Rentenlücke noch merklich verkleinern oder sogar schließen – mit regelmäßigen Sparbeträgen bis zur Rente und einem Anlagehorizont, der auch über das Rentenalter hinausgeht. Erfahren Sie hier, was Sie mit einem Sparplan erreichen können: https://direct.fidelity.de/anlegerwissen/regelmassig-sparen/.