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Geerbt – und jetzt?

Andreas Telschow

Andreas Telschow - Kundenservice

Für ein Sparbuch ist das Erbe im heutigen Niedrigzinsumfeld zu schade. Eine Anlage in Fonds bietet da schon bessere Chancen auf Inflationsausgleich und eine Rendite. Das Problem: Anders als Sparer müssen Erben unerwartet eine größere Summe anlegen und dabei die Frage nach dem richtigen Timing beantworten. Strategien, wie man das Geerbte zu jedem Zeitpunkt gut anlegt.

Erbschaften werden in Deutschland immer größer. Bis zu 400 Milliarden Euro werden jährlich vererbt oder verschenkt¹, und das oft in großen Summen. Vier von zehn Deutschen, die selbst etwas vererben wollen, schätzen den Wert ihres Nachlasses auf mindestens 100.000 Euro, jeder fünfte sogar auf mehr als eine Viertelmillion Euro².

Vielen Erben bleibt nach Steuern, der Tilgung etwaiger Schulden und der Erfüllung einiger Träume noch Geld, das sie für die Zukunft zurücklegen wollen. Dass es derzeit nach Inflation ein Minusgeschäft ist, Geld auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto zu parken, ist kein Geheimnis. Eine Anlage in Fonds bietet da schon bessere Chancen auf Inflationsausgleich und eine Rendite.

Wer eine größere Summe auf einmal anlegen will, muss sich jedoch anders als regelmäßige Sparer die Frage stellen: Ist jetzt überhaupt der richtige Zeitpunkt für die Anlage? Gerade jetzt ist es schwer, eine Antwort zu finden. Die letzte große Wirtschaftskrise liegt zehn Jahre zurück, und vieles deutet darauf hin, dass sich der Zyklus gen Ende neigt. So besteht die Gefahr, sein Geld gerade am Höhepunkt der Wertpapierkurse anzulegen und kurzfristig Verluste einzustecken. 

Grundsätzlich ist eine Anlage am Kapitalmarkt nur dann sinnvoll, wenn man auf das Geld mindestens fünf Jahre lang verzichten kann, denn Marktschwankungen sind nie vorhersehbar. Doch es gibt Möglichkeiten, wie Anleger mit der unsicheren Marktsituation umgehen können.

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Strategie 1: Gestaffelt einsteigen

Die Frage nach dem richtigen Timing für die Geldanlage lässt sich zu einem gewissen Grad vermeiden, indem man einen größeren Betrag gleichmäßig verteilt über einen begrenzten Zeitraum anlegt. Wer zum Beispiel 60.000 Euro investieren will, kann ein Jahr lang jeden Monat 5.000 Euro anlegen. Anleger diversifizieren gewissermaßen das Einstiegsdatum und senken das Risiko eines schlechten Timings. Die Strategie wird auch als Durchschnittskosteneffekt bezeichnet.

Viele können mit dieser Strategie besser schlafen, auch wenn die Märkte gerade etwas stärker schwanken. Ihr Nachteil: Der noch nicht investierte Teil des Vermögens wirft vorübergehend gar keine Rendite ab, verliert durch die Inflation also sogar an Wert.

Strategie 2: Alles auf einmal anlegen

Eine größere Summe auf einmal zu investieren mag manche Anleger ängstlich stimmen. Studien zeigen jedoch, dass diese Strategie im Durchschnitt die besseren Renditen bietet³. 

Wer zum Beispiel zwischen 1926 und 2013 in den US-Aktienmarkt investierte, erzielte mit einer Einmalanlage im Schnitt aller gleitenden Zwölfmonatszeiträume eine Rendite von 12,2 Prozent in einem Jahr. Wer seine Anlagesumme hingegen auf zwölf monatliche Beträge verteilte und den Rest vorübergehend in liquide Papiere steckte, erzielte im Jahr der Anlage im Schnitt nur 8,1 Prozent Rendite⁴.

Es gab historisch jedoch immer wieder besonders schwache Marktphasen, in denen Anleger mit einer gestaffelten Anlage tatsächlich besser dagestanden hätten. Die Einmalanlage ist also etwas riskanter, bietet dafür aber größere Renditechancen.

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Strategie 3: Gestaffelt anlegen mit renditebringender Zwischenlösung

Wer bei einer Einmalanlage einfach ein schlechtes Gefühl hat, kann gestaffelt einsteigen und den noch nicht investierten Teil seines Vermögens in einer vergleichsweise sicheren Anlage zwischenparken, die zumindest mehr Rendite bringt als das Girokonto. Das könnte Festgeld oder ein Anleihefonds sein, dessen Portfolio eine hohe Bonität aufweist.

Fazit
Welche Strategie Anleger wählen, hängt letztendlich von ihrer Risikobereitschaft ab. Wie bei der Wahl der Anlageklasse wird auch beim Zeitpunkt für die Anlage ein größeres Risiko mit mehr Renditepotenzial belohnt. Denn das eine ist mit dem anderen eng verknüpft: Wer sein Erbe verteilt über 12 Monate anlegt, hat im ersten Monat im Prinzip ein Portfolio, das zu einem Zwölftel aus Aktien und Anleihen besteht und zu elf Zwölfteln aus Cash – ein extrem konservatives Portfolio mit wenig Risiko, aber auch wenig Potenzial.

Steht eine Wirtschaftskrise unmittelbar vor der Tür, wäre die gestaffelte Anlage die bessere Wahl. Dass der Zeitpunkt einer Krise jedoch schwer zu bestimmen ist, zeigt die Erfahrung der vergangenen Jahre. Schon seit langem befürchten Marktbeobachter den nächsten großen Kurseinbruch. Stattdessen blieb es bei kleineren Korrekturen. Wer da auf Cash setzte, hat einige Monate starker Renditen verpasst.

Eine professionelle Anlageberatung kann helfen, ein Erbe gut anzulegen und dabei Chancen und Risiken den Bedürfnissen des Anlegers anzupassen. Ein durchdachtes und breit gestreutes Portfolio ist in jeder Marktphase ein solider Begleiter. Mit einem solchen Portfolio und einem ausreichend langen Anlagehorizont sollte die Frage des Timings daher niemandem den Schlaf rauben.

¹ https://www.diw.de/de/diw_01.c.560993.de/themen_nachrichten/in_deutschland_werden_zwischen_2012_und_2027

² https://yougov.de/news/2017/06/07/bundeslander-vergleich-jede-funfte-erbschaft-deuts/

³ https://personal.vanguard.com/pdf/ISGDCA.pdf

https://blog.alliancebernstein.com/post/en/2014/07/is-dollar-cost-averaging-the-cure-for-market-jitters